1907..1914

Zu Beginn des Jahres 1907 hatten sieben junge, Musik lieben de Männer in Geradstetten die Absicht, eine Musikkapelle ins Leben zu rufen. Unter Führung von August Schwegler wurde aus diesem Wunsch Wirklichkeit.

Zum Preis von 625 Goldmark wurden die ersten Instrumente von einem aufgelösten Verein erworben. Bereits im Mai des Gründungsjahres konnte somit im Hause Schwegler der Übungsbetrieb aufgenommen werden. Noch in den späten fünfziger Jahren wurde in jenem Haus das Zimmer, in welchem geprobt wurde, Musikerstüble genannt. Der erste Dirigent hieß Aigner und kam aus Schorndorf. Bereits im Gründungsjahr sah sich der Verein vor existenzielle Probleme gestellt. Ein zugesagtes Darlehen von 600 Mark wurde nicht gewährt, jedoch mussten die gekauften Instrumente bezahlt werden.
In größter Not gab August Schwegler seine Ersparnisse und jeder Musiker 20 Mark, um die drückenden Schulden zu bezahlen. Diese Umstände führten mit dazu, das August Schwegler am 30. Juni 1907 die Bürgerschaft zu einer Versammlung in die Schule einberief, um einen Musikverein zu gründen. Über 40 Personen erschienen, der größte Teil trat dem neu gegründeten Verein bei und verlieh der Kapelle für die Zukunft ein festes Fundament. August Schwegler wurde zum Vorstand, Theodor Lindauer zum Schriftführer und Karl Weinschenk zum Kassier gewählt. Am 26. Dezember 1907 konnte die erste Weihnachtsfeier abgehalten werden. Das Vereinsprotokoll besagt, „dass es ein selten schöner Tag war, der alle Beteiligte höchst befriedigte“. Der Mitgliederstand konnte dabei auf die erfreuliche Zahl von 60 erhöht werden. In der Folgezeit trat der Verein bei zahlreichen Anlässen in der Öffentlichkeit auf.

Am 18. Juli 1909 beschloss man, am 08. August desselben Jahres im Waldteil Schweinbach ein Fest abzuhalten. Im Protokoll ist zu lesen: „Es wurde um 2 Uhr vom Hause Bühler (Bäcker) unter starker Beteiligung der Mitglieder abmarschiert, nach dem bestimmten Platz, wo sich nun bald eine fröhliche Unterhaltung entwickelte. Das Fest war von vielen hiesigen und auswärtigen Freunden unseres Vereins sehr stark besucht. Die Wirtschaft wurde vom Verein selbst geführt. Am Abend marschierte der Verein mit der Musik an der Spitze in das Gasthaus zum Hirsch, wo man noch lange beisammen war“.

Dass die Musiker wohl auch gute Sänger waren, zeigt sich daran, dass ab 1909 zusätzlich zu den Musikproben regelmäßig Singstunden unter der Leitung von Herrn G. Falkenstein aus Schorndorf abgehalten worden sind.

In der Versammlung am 31. Oktober 1909 wurde beschlossen, dass der Verein den Manen „Musikverein Harmonie Geradstetten“ statt bisher nur „Musikverein“ führen soll. Ferner beführwortete man den Kauf von 100 Vereinsabzeichen in blau-weißer Farbe.

Bereits am 20. Juni 1910 war der Musikverein schuldenfrei. Die in der Kasse vorhandenen 30 Mark wurden beim Darlehenskassenverein angelegt. Die erfreuliche Entwicklung der „Harmonie“ wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges jäh unterbrochen. Der größte Teil der aktiven Musiker wurde zum Heer eingezogen. Fünf Musiker kamen nie mehr zurück, darunter der Gründer August Schwegler und der verdiente Schriftführer Theodor Lindauer.